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Der Bahnübergang Paulinenstraße – eine ewige Tragödie

Norbert Czerwinski - 23.06.2026

Ein Beitrag von unserem Friedrichshafener Stadtrat Norbert Czerwinski

Wieder einmal soll diese schnurgerade Strecke vom Seewald bis zur Innenstadt eine kosmetische Aufhübschung erfahren. Das Regierungspräsidium Tübingen will diesem Teil der B 30 eine neue „Fassade“ angedeihen lassen und die Stadt Friedrichshafen möchte die Gelegenheit beim Schopf packen, um recht alte Entwässerungskanäle zu erneuern. Allein dies wird ein hübsches Sümmchen von mindestens 800.000 Euro verschlingen, was Friedrichshafen aber nur wenig Kopfzerbrechen bereitet.

Vertieft man sich ein wenig genauer in die Historie dieses Straßenzuges, schält sich schnell jene Stelle heraus, die eigentlich einer Wurzelbehandlung bedürfte, nämlich der schienengleiche Bahnübergang der Strecke Friedrichshafen – Lindau. Ganze Generationen von Verkehrsteilnehmern verzweifelten schon ob der endlosen Wartezeiten an dessen Schranken. Die Seufzer der Geplagten sind ausführlich schon in einem Artikel der Schwäbischen Zeitung vom 05.06.2015 dokumentiert. All die Jahrzehnte zuvor drang ebenso Erbarmen heischendes Stöhnen an die Mauern des Rathauses, ohne Gehör zu finden.

Damit aber nicht genug. Wer die Örtlichkeit genauer in Augenschein nimmt, bemerkt schnell, daß dieser Bahnübergang zur Todesfalle werden kann, wenn die Schranken nicht ordnungsgemäß geschlossen sind. Die Gleise erstrecken sich hier in einer engen und völlig unübersichtlichen Kurve, sodaß ein herannahender Zug – und die fahren hier mit erheblicher Geschwindigkeit – auch im letzten Augenblick kaum bemerkt werden kann. So haben sich hier schon entsetzliche Tragödien abgespielt. Mir erinnerlich ist vor allem noch jenes unfassbare Geschehen Ende der Fünfziger oder Anfang der Sechziger Jahre, als eine junge Frau mit dem Fahrrad zu ihrer Hochzeit in die Kapelle St. Georgen unterwegs war und auf dem Bahnübergang bei geöffneten Schranken tödlich von einem Zug erfasst wurde.

Ganz generell gilt doch die Maxime, schienengleiche Straßenführungen durch Über- oder Unterführungen zu ersetzen, um eine Kollisionsgefahr auf Null zu reduzieren. Die leichtfüßige Behandlung der Angelegenheit durch die Verwaltung im vergangenen Bauausschuss und ihren geringschätzenden Rang ganz am Schluß des Berichts der Schwäbischen Zeitung werden der Dringlichkeit des Sachverhalts in keiner Weise gerecht. Dabei wäre die Umsetzung einer Unterführung geradezu ein Leichtes, wenn der Wille in Verwaltung und Gemeinderat dazu vorhanden wäre, wie man erschöpfend dem Zeitungsartikel von 2015 entnehmen kann:

„[…] die Bahn könnte das Vorhaben nicht einmal verhindern […] die Kosten müssten sogar von der Bahn zu einem und vom Bund zu zwei Dritteln getragen werden.“

Als ich seinerzeit angesichts der bevorstehenden Elektrifizierung der wegen der Installationsarbeiten dann stillgelegten Strecke Friedrichshafen-Lindau in einer Bürgerversammlung im Graf-Zeppelin-Haus noch unter Oberbürgermeister Andreas Brand anregte, die Chance zu ergreifen, in offener Bauweise das Projekt technisch einfacher umzusetzen, wurde dies mit erkennbarer Geringschätzung abgetan.

Und was das „Jahrzehnte dauern“ (einer Planung) angeht, offenbart sich doch hier – nicht nur im Hafen – ein grundlegendes Übel in unseren Landen. Die Verantwortungs- und Entscheidungsträger sind durch ein beinahe undurchdringliches (selbst geschaffenes) Gespinst an Vorschriften, Regelungen und Kontrollinstanzen konditioniert, das jeden Mut zu zeitnahen Entschlüssen lähmt. Daß auf diese Weise öffentliche Mittel zuhauf in ein Fass ohne Boden versickern, notiert der durch immer höhere Steuern und sonstige Abgaben gebeutelte Bürger mit wachsendem Zorn.

Für die AfD ist es hoch an der Zeit, gerade an solchen Projekten (wie auch an dem anstehenden Brückenneubau in Manzell) einmal einen echten und sinnvollen „Bauturbo“ zu erproben.

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