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Der Westen verliert in Gaza und auch daheim

KV-PFORZHEIM-ENZ - 06.11.2023

Es mag sein, dass sich Israel in Gaza militärisch durchsetzt. Doch dort wie auch in den eigenen Staaten des Westens, vorweg dessen Dominator USA samt Verbündeten und Vasallen wie Deutschland, geht gerade eine entscheidende Schlacht im Kampf zwischen Unipolarität und Multipolarität zuungunsten des Westens verloren. Denn moderne Kriege im Nuklearzeitalter werden nicht allein militärisch mit Waffengewalt entschieden, sondern ebenso moralisch und propagandistisch. Das sollte gerade in Deutschland nach zwei auch deshalb verlorenen Kriegen nicht unbekannt sein.

Israel hat sich mit offensichtlicher amerikanischer Unterstützung, wahrscheinlich sogar Ermunterung, in eine riskante Unternehmung gestürzt, die selbst mit der weitgehenden Vernichtung der Hamas zu teuer erkauft ist und langfristig sogar den Bestand des jüdischen Staates gefährden wird. Nach dem schrecklichen Massaker der Hamas am 7. Oktober hatte und hat Israel jedes politische und moralische Recht, die Mörderbande zu bestrafen. Niemand auf der Welt konnte und kann das guten Gewissens bestreiten.

Um diese Strafe zu realisieren und dabei auch noch international zu profitieren, hätte die israelische Führung ihre Strafaktion jedoch umfassend politisch vorbereiten müssen. Das aber war für die mit Extremisten belastete Netanjahu-Regierung nicht möglich, weil es ihr Ende bedeutet hätte. Schließlich trug sie die Verantwortung für das immer noch etwas unerklärliche, für viele Israelis tödliche Versagen bei der Kontrolle der Gaza-Grenze am 7. Oktober.

Der real gewählte Weg einer brachialen militärischen Vernichtungsaktion nutzt die verständliche Empörung und Rachegefühle aus, setzt nun aber Tag um Tag mehr Israels Vorgehen mit der Folge von tausenden toten und verletzten Zivilisten sowie einem apokalyptischen Bombardement ins Unrecht. Die negativen weltweiten internationalen Reaktionen isolieren und beschädigen Israel in einer so massiven Weise, dass daraus nichts Gutes zu erwarten ist. Die vorläufige Rettung der extremistischen Regierung in Jerusalem kostet deshalb einen viel zu hohen Preis für das kleine Land mit vielen Feinden.

Wenn selbst in den USA Hundertausende in Washington gegen das blutige Drama in Gaza marschieren, es aber in Amerika mit seinen Millionen jüdischen Bürgern keine auch nur annähernd so große Pro-Israelbewegung zu geben scheint, dann läuft etwas gewaltig schief. So wie in Deutschland, wo infolge von offenen Grenzen und einer ideologisch verseuchten Migrationspolitik sich gerade eine Muslim-APO bildet, deren Teilnehmer meist wesentlich jünger als die angestammten Deutschen sind. Mit hilflosen Verboten und polizeilicher Repression wird dieser Bewegung nicht beizukommen sein.

Von den nichtjüdischen Deutschen ist die Beteiligung der Bevölkerung an der offiziell vertreten Solidarisierung mit Israel eher mager. All das kann beklagt, gegeißelt und verdammt werden – es ist die Realität. Die multipolaren Großmächte, allen voran China, können dieser für den Westen so nachteiligen Entwicklung mit Ruhe und auch heimlicher Schadenfreude zuschauen.

Aber es ist der Westen, zu dem Israel zweifellos zählt, der sich wie in der Ukraine sehenden Auges in eine Situation begibt, die er nur mit einer weltgefährdenden nuklearen Eskalation noch zu seinen Gunsten wenden kann. Der Vorschlag israelischer Minister, das Gaza-Problem mit Atomwaffen zu „lösen“, ist insofern nicht so absurd wie er in deutschen Ohren klingen mag. Die wahren Freunde des jüdischen Staates, an dessen Existenznotwendigkeit Deutschland wahrlich nicht unbeteiligt war, müssen die Dinge ehrlich beim Namen nennen und sich nicht in Phrasen von „Staatsräson“ flüchten.

Wolfgang Hübner

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