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Der Mord, der viele Täter hat Zum Massaker in Ludwigshafen

KV-PFORZHEIM-ENZ - 24.10.2022

Ich weiß leider, was es heißt den Sohn zu verlieren. Mein Sohn war erst 38 Jahre alt, als er an den Folgen eines unheilbaren seltenen Syndroms starb. Das war und ist ein Schicksalsschlag, der sich für immer in die Seele einbrennt. Doch niemand war schuld an diesem frühen Tod. Und es blieb Zeit, Abschied zu nehmen, genug Jahre sind vergangen, um mit diesem Schicksal leben zu können. Wie aber kann der Vater des 20-jährigen Jonas in Ludwigshafen, der seinen Sohn grausam verstümmelt sterbend fand – wie kann dieser Vater je wieder mit diesem furchtbaren Sterben und Tod des eigenen Kindes leben lernen, wie soll dieser Vater den entsetzlichen Anblick je verdrängen können?

Es bedarf keiner besonderen psychologischen Kenntnisse für die Antwort: Niemals wird dieser Vater das können, nicht bis zu seinem letzten Tag auf Erden, nicht bis zu seinem letzten Atemzug. Das unerbittliche Los des Vaters von Jonas vermögen wir, die wir von dieser Bluttat gehört und gelesen haben, nicht teilen, wir können es noch nicht einmal lindern – wie auch? Doch was wir können, ja müssen: Nicht vergeben all denjenigen, die diese Tat, der auch der tapfer zur Hilfe geeilte Familienvater und Kollege Sascha zum Opfer fiel, ermöglicht, begünstigt, geduldet, hingenommen haben – wie so viele Untaten in den letzten Jahren. Egal, ob das aus Selbsthass, ideologischer Verblendung, aus Feigheit, Ignoranz, Bequemlichkeit oder aus der schäbigen Angst einer Pfarrerstochter vor „unschönen Bildern“ an den deutschen Grenzen motiviert war – nichts darf vergeben und vergessen werden.

Das Massaker in Ludwigshafen hatte, wie so viele Morde und Gewalttaten zuvor, eben nicht nur einen, sondern viele Täter. Und die für dieses Taten mitverantwortlichen hohen politischen Amtsträger sind namentlich bekannt. Auf ihnen allen lastet ein immer größerer Fluch. Aber der Fluch soll und muss sie begleiten, auch wenn es kein irdisches Gericht für diese Mitschuld geben sollte. Dieser Fluch ist dem verzweifelten Vater in Ludwigshafen, ist allen Müttern und Vätern der Opfer, ist allen toten und missbrauchten Opfern einer Politik und Gesellschaft geschuldet, die gnaden- und besinnungslos alle Toren unsers Landes geöffnet hat. Dieser Fluch gilt insbesondere jenen, für die Jonas, Sascha und all die anderen Opfer nur Kollateralschäden ihres unmenschlichen ‚progressiven Universalismus‘ waren und sind.

Ja, ich bin erschüttert und zornig. Doch was könnte ich, was könnten Millionen, die noch ein Herz und eine Seele in sich haben, anderes sein als erschüttert und zornig und nicht bereit, dieses Massaker an zwei jungen Handwerkern jemals zu verzeihen?

Wolfgang Hübner

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