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Wertvolle Zeit ungenutzt vertan

KV-BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD - 11.03.2020

Leserbrief zu Artikeln zur Coronakrise vom 11.03.2020.

Es ist wertvolle Zeit ungenutzt vertan worden

In den vielfältigen Artikeln vom 11.03.2020 wird die Schwerfälligkeit in der Herbeiführung wichtiger Entscheidungen in unserem föderalen Staat deutlich. Um wieviel schwerer fallen dann wichtige Entscheidungen in der Ideologie eines grenzenlos offenen Europas. Die Politik des grenzfreien Europas hat seine biologische Grenze durch das Coronavirus aufgezeigt bekommen! Die bisher eher als Reaktion als Präventivaktion durchgeführten Maßnahmen in Deutschland scheinen nicht wirklich die gewünschte Nachhaltigkeit zu haben: Deutschland liegt laut WHO am 11.03.20 an weltweit 7.Stelle der Erkrankungsfälle! Seit 04.03. hat sich Erkrankungszahl versechsfacht.In der Terminologie werden von den verantwortlichen Personen zwei wichtige Begriffe verwechselt: Erkrankte werden als Infizierte erklärt. Tatsächlich sind Erkrankte auch Infizierte, doch die symptomfreien, noch gesunden Infizierten sind die Infizierten in unbekannter Zahl, die ungewollt und unbemerkt die Infektion weitertragen können.

Mir unerklärlich ist das offensichtliche Ziel, die Infektionsketten nur zu verzögern. Sollte es nicht das erklärte Ziel sein, die Infektionsketten zu unterbrechen? Da die Infektion ausschließlich von Mensch zu Mensch stattfindet, kann nur eine zeitlich befristete Stilllegung des öffentlichen Lebens die Infektionsketten weitestgehend unterbrechen. Auch unter dem hohen Preis wirtschaftlicher Rezession muss die Gesundheit und das Leben der Menschen im Vordergrund stehen. Frau Merkel als auch Herr Spahn haben heute geradezu eine apokalyptische Vision erklärt: 70% der Menschen in Deutschland werden erkranken. Bei 83 Mio. Menschen werden ca. 58 Mio. betroffen sein. Aus einer durchschnittlichen momentanen weltweiten Sterblichkeitsrate von 3,6% würden dann 2,09 Mio. Todesfälle resultieren. Selbst bei einer optimistischen Sterblichkeitsrate von nur 0,5% würden ca. 290.500 Sterbefälle zu beklagen sein. Da bisher weder Impfstoffe noch Medikamente zur Verfügung stehen, bleibt ausschließlich, wenn wahrscheinlich bereits zu spät, die Schließung der Grenzen, der Flughäfen, Bahnhöfe, des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, der Schulen, Kitas und Universitäten sowie das Verbot aller Großveranstaltungen die einzige Möglichkeit, die Infektionsketten zu unterbrechen. Ansonsten müssen wir uns eventuell gedanklich auf ein ähnliches Szenario einstellen, wie die ebenso nicht immunen, unvorbereiteten Menschen vor ca. 100 Jahren durch ein sehr virulentes Influenzavirus in drei Infektionswellen zwischen 1918 und 1920 heimgesucht wurden. 25 bis 50 Mio. Menschen fielen der sog. Spanischen Grippe zum Opfer.

 
Dr. med. Wolfgang Ott
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